Die Baumschule

        

Firmenchronik

Adolph Dietrich Lappen (1870-1939)
Am 20.10.1894 stellte Adolph Dietrich Lappen im Alter von 24 Jahren bei der Stadt Kaldenkirchen einen Bauantrag für ein Versandgebäude auf dem Herrenpfad 14, wo sich auch heute noch der Sitz der Firma befindet. Um die Jahrhundertwende erfolgte der Bau des Wohngebäudes mit Kontor neben der Versandhalle. Da der Verkauf der Pflanzen und Bäume überregional erfolgen sollte, wählte Adolph Dietrich Lappen aus seinen Grundstücken dasjenige aus, das am nächsten am Personen- und Güterbahnhof Kaldenkirchen gelegen war (Hauptverkehrsstrecke Köln – Venlo – Amsterdam, Nebenstrecke Kempen-Krefeld). Im Herbst 1898 wurden dann die ersten Pflanzen verkauft. Schnell vergrößerte sich die Belegschaft auf 7-10 Personen. Eine Gewerbeanmeldung der Baumschulen Lappen, die in ihren Anfängen „Adolph Dietrich Lappen – Baum- und Rosenschule“ hieß, erfolgte bis zum heutigen Tage nicht, da die Firma Lappen immer ein landwirtschaftlichter Produktionsbetrieb geblieben ist. Zur Führung einer guten Baumschule legte Adolph Dietrich Lappen Mutterpflanzenquartiere für Obstgehölze und Beerensträucher an. Die jetzt noch vorhandenen Mutterpflanzen von Tilia europaea ‚Pallida Typ Lappen’ wurden der Überlieferung nach im Jahre 1895 angepflanzt und schon damals mit nachhaltigstem Erfolg vermehrt. Kilometerlange Alleen mit diesen Linden wurden über mehrere Jahrzehnte nach Westfalen, ins Münsterland sowie in den Raum Hannover geliefert und prägen noch heute eindrucksvoll diese Landschaften. Unsere Linden-Mutterpflanzen werden bis zum heutigen Tag verwendet. Ulmen, Platanen und andere Alleebäume wurden durch Steckhölzer, durch Veredlung oder aus Sämlingen gezogen. Auch Formobst gehörte jahrzehntelang zu den Spezialitäten der Baumschulen Lappen. Eine Obstanlage in vorbildlicher Qualität wurde um 1905 angelegt, die Hauptsorte war die Birne ‚Köstliche von Charneu’. Diese Anlage erwies sich in den Notjahren von 1916-1920 sowie von 1940-1949 als besonders wichtig für die Versorgung der eigenen Familie und zum zusätzlichen Gelderwerb. Adolph Dietrich Lappen hatte sich sein gärtnerisches Fachwissen größtenteils im Selbststudium angeeignet, was seinem Ruf als anerkannter Fachmann in keiner Weise Abbruch tat. Verheiratet war Adolph Dietrich Lappen mit Olga Lappen, geb. Janssen. Aus dieser Ehe gingen zunächst zwei Töchter hervor, Wilhelmine und Christine. Dann, im Jahre 1911, wurde ein Sohn, Friedolf, geboren. Da Anfang des Jahrhunderts nur ein Sohn als Erbe in Betracht kam, war Friedolf von Geburt an als Baumschulist – wie man damals sagte – vorgesehen.


Friedolf Lappen (1911-1944)
Friedolf war als einziger Sohn dazu bestimmt, den Betrieb zu übernehmen. So wurde er in verschiedenen Betrieben im Rheinland (Oberpleis, Meckenheim) und Schleswig-Holstein ausgebildet, sammelte Erfahrungen und beendete seine Ausbildung mit der Meisterprüfung in  Friesdorf bei Bonn. Friedolf baute den Betrieb weiter und vielseitiger aus: so wurden im Jahre 1939 die ersten Koniferen in die Produktpalette der Baumschulen Lappen aufgenommen. Doch der Kriegsausbruch des Jahres 1939 setzte dieser hoffnungsvollen Entwicklung schnell ein Ende: Friedolf Lappen wurde zur Wehrmacht einberufen. 1940 heiratet er Getrud Lorbach. Aus dieser Ehe gingen zwei Söhne hervor: Ado (geb. 1941) und Dieter (geb. 1943), der heutige Firmeninhaber. Nach seiner Einberufung hat Friedolf den eigenen Betrieb nur noch selten gesehen. Er fiel am 1.4.1944 in Moldawien.


Gertrud Lappen (1914-2008; 1940 Eintritt in die Firma)
Von November 1944 bis Juli 1945 wurde Kaldenkirchen vollständig evakuiert. In dieser Zeit verwilderte und verwucherte die Baumschule, da alle vorhandenen Mitarbeiter zu Militärdiensten herangezogen wurden. Im Juli 1945 kehrte Gertrud Lappen auf den Familiensitz am Herrenpfad zurück, Das Wohn- und Bürogebäude sowie die Baumschulfelder waren von Artillerieeinschlägen stark beschädigt worden. Die alliierten Streitkräfte verboten in den Nachkriegsjahren den Anbau von Bäumen, Rosen und Sträuchern. Gertrud Lappen musste die Baumschule mit Hilfe ihrer Mitarbeiter auf Gemüsebau umstellen. In dieser Zeit waren Tauschgeschäfte (Äpfel gegen Zement, Nägel und Bauholz usw.) die einzige Möglichkeit, an Materialien heranzukommen. Hier bewährte sich die von Adolph Dietrich Lappen angepflanzte Birnenhochstamm-Anlage als stetige Nachschubquelle für Nahrungs- und Tauschmittel. Die Verdienste von Gertrud Lappen in dieser Zeit sind mit Worten und Schilderungen kaum zu beschreiben. Am 11.2.1949 heiratete Gertrud Lappen den Baumschulmeister Heinz Schmidt. Mit dem Wiederaufbau der alten Baumschule konnte nach den Kriegswirren nun begonnen werden.


Dieter Lappen (*1943; 1968 Übernahme der Geschäftsleitung)
Nach gründlicher Ausbildung und Abschluß der Meisterprüfung in Friesdorf bei Bonn trat der damals 25-jährige Dieter Lappen im Jahre 1968 die Nachfolge in der Baumschule an. Aufgrund des hohen Bekanntheitsgrades und des ausgewogenen Sortiments wuchs die Baumschule auf die jetzige Größe von über 100 Mitarbeitern an. Mittlerweile wird die Region um Kaldenkirchen wegen der großen Ausdehnung der Baumschulfelder oft in scherzhafter Weise als „Lappenland“ bezeichnet. 


Christian Lappen (*1972; 2001 Eintritt in die Geschäftsleitung; 23. Oktober 2015 Übernahme der Geschäftsleitung)
Christian Lappen, der zweitälteste Sohn Dieter Lappens, trat 1989 in die grünen Fußstapfen seiner Familie. Er absolvierte seine Gärtnerlehre, sammelte Erfahrungen durch Praktika in diversen in- und ausländischen Baumschulen und begann 1995 sein Studium der Betriebswirtschaft an der FH in Osnabrück. 2001 beschloss er sein Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Privaten Fachhochschule Göttingen. Nach dem anschließenden Praktikum bei der Baumschule J. F. Schmidt in Portland, Oregon (USA) trat im Dezember 2001 in die Baumschule ein.